Dr. Gerstbachs Himmelvorschau Mai

Dr. Gerstbachs Himmelvorschau Mai

Beitragvon Laadoc » Fr 3. Mai 2019, 16:26

Liebe Mitglieder des Österreichischen Astronomischen Vereins, liebe Sternfreunde!

Die Lücke, die Prof. Hermann Mucke hinterlässt (siehe Newsletter 2019-4) wird auch durch manches spürbar, von dem ich wenig wusste. Etwa, wer wann und wie für bestimmte Details zuständig ist. Zwei Beispiele vom Sterngarten: wer kann die Wotruba-Kirchenbeleuchtung abschalten, wenn eine Führung ist? Wie ist festzulegen, welche Bäume gekürzt werden? Diese Phase im Astroverein wird vorübergehen, aber bitte helft nach Kräften mit. Schaut euch die Laudatio zu Hermanns 80. Geburtstag an!

Dieser Newsletter erscheint etwas spät und in kleinerem Umfang, weil wir die Tagung der österr. Amateurastronomen am 18./19.10. in Salzburg vorzubereiten haben -- die erste seit etwa 15 Jahren. Der Wunsch danach war oft zu hören und unser Verein trägt ja als einziger Österreich in seinem Namen. Die Generalthemen sind "Lichtverschmutzung"und "Visuelles Beobachten", die Hauptvorträge und die Quartierfrage sind schon (fast) geklärt -- doch die erhofften Kurzvorträge der über 20 Astrovereine stehen noch großteils aus.
Der ÖAV wird seine Herbstexkursion wahrscheinlich mit der Tagung kombinieren, sie also auf zwei Tage ausdehnen. Die neue VEGA-Sternwarte ist jedenfalls die geplante Zugreise und den Shuttlebus wert.
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Bevor wir nun zu Sonnenbahn und Sternhimmel kommen, sei an die Drei Roten in einer Reihe (Beteigeuze - Aldebaran - Mars) im April erinnert. Die Reihe wurde zum Dreieck und ist nur mehr am frühen Abend zu sehen -- denn Mars hat inzwischen das "Goldene Tor der Ekliptik" durchwandert und das rote Auge des Stiers hinter sich gelassen.

Sonnenbahn und Dämmerung

Im Mai wächst der helle Tag noch merklich: von 14,5 auf 15,8 Stunden. Der Sonnenuntergang in Wien ändert sich von 20:08 auf 20:45 MESZ. Im Westen Österreichs ist alles je nach geografischer Länge später, in Innsbruck z.B. um 20 Minuten. Falls in Österreich eine Volksabstimmung über Sommer- oder Normalzeit kommt, wäre Natur-, Kinder- und Sternfreunden wohl die MEZ lieber. Oder sollen die Schulkinder monatelang im Finstern aufstehen müssen? Dass die Sommersternbilder erst um 23h hervorleuchten, sind wir freilich schon gewöhnt ...

Die bürgerliche Dämmerung (Sonnentiefe 6°, Lesen im Freien möglich) dauert nun bereits 38 Minuten, die nautische (-12°, am Meer sind Horizont und helle Sterne sichtbar) weitere 44-54 Minuten. Erst 51-80 Minuten später (bei -18°, astr. Dämmerung) tritt zunächst um 22:20, am Monatsende um 23:40 MESZ völlige Dunkelheit ein, aber nur fern von Siedlungsgebieten.
Die Dämmerung dauert nun länger, weil die Sonne wieder flacher untergeht.
Sehr gut lässt sich das in unserm
"Freiluftplanetarium"
Sterngarten Georgenberg beobachten, wo 7 Masten den Verlauf der Sonnenbahn vom Aufgang über die Kulmination bis zum Untergang markieren. Diese traditionellen Beobachtungen werden wir natürlich im Sinne Hermann Muckes weiterführen.

Der Abendhimmel im Mai

Wenn es zur Monatsmitte um 21:45 Uhr dunkel genug ist, sehen wir im Südwesten noch das halbe Wintersechseck (Procyon, Zwillinge und Fuhrmann). Am 1. Mai ging da der Oriongürtel waagrecht unter -- während er im Herbst senkrecht hochkam. Im Süden steigt die Jungfrau empor, während der Löwe schon zu sinken beginnt. Wer am Ende der Osternacht aus dem Südtor einer Dorfkirche trat, sah ihn genau vor sich. Was sonst am Sternhimmel zu sehen ist, zeigt die Titelseite unserer Homepage https://www.astroverein.at:
Im Südosten der hellgelbe Arktur (α im Bärenhüter) und Gemma, der Edelstein in der Krone.

Für einen Überblick können Sie hier den Frühlingshimmel anklicken. Im Osten steigen Herkules, die funkelnde Wega (Leier) und der dreieckige Drachenkopf empor. Im Norden steht der bescheidene König Kepheus, seine stolze Gattin Kassiopeia zur Linken ("Himmels-W"). Ihr heldenhafter Schwiegersohn Perseus wartet tief im Nordwesten, die von ihm gerettete Andromeda bleibt aber "im Meer versunken". Der große Bär betrachtet die Lage vom Zenit aus -- seine 7 hellsten Sterne bilden den Großen Wagen. Der kleine Bär (bzw. kleiner Wagen) reckt ihm seinen Bauch entgegen, hoch über sein Schwanzende, den Polarstern. Man sieht bei uns aber nur 7 Sterne davon, den Kleinen Wagen. Sie dienen als einfachster Indikator der Lichtverschmutzung.

Gegen 23 Uhr kulminiert die Jungfrau. Man findet ihren Hauptstern, den 300 Lichtjahre fernen blauweißen Riesen Spica und vorher den gelben Arktur, wenn man dem Deichselschwung des Großen Wagens folgt. Dessen Seitenwände weisen hingegen zum Löwen.

Um 2 Uhr stehen Herkules und der Schlangenträger im Süden, während im Südosten das Sommerdreieck emporsteigt. Bootes und die niedliche Krone im Süden, während im Osten Jupiter und das Sommerdreieck hochkommen. Inzwischen ist auch der Riesenplanet Jupiter gut zu sehen, er geht gegen 23 Uhr im Südosten auf. Saturn folgt ihm 1 Stunde später. Ende 2020 werden sie sich als i"Große Konjunktion" dreimal begegnen. Auf den Morgenstern Venus müssen wir aber bis 5 Uhr warten.

Sichtbarkeit der großen Planeten
• Merkur verbirgt sich im Mai in den Sonnenstrahlen.
• Venus ist Morgenstern und am besten 1 Stunde vor Sonnenaufgang zu sehen. Im Fernrohr wurde sie vom kleinen 3/4-Mond zum gleißenden Kügelchen. Am 2. Mai zieht die abnehmende Mondsichel unter ihr vorbei.
• Mars wandert -- fast täglich erkennbar -- vom Stier in die Zwillinge. Er verschiebt seine Untergänge von 23:40 auf 23:10 und läuft quasi vor der Sonne davon, die ihn erst im Juli einholt.
• Jupiter im Schlangenträger ist ab Mitternacht sichtbar und daher am Morgenhimmel gut zu beobachten. Am 20. Mai zieht der Mond knapp nördlich an ihm vorbei. Reizvoll ist der Tanz der hellen 4 Jupitermonde, die alle paar Tage ihre Schatten auf Jupiters Wolkendecke werfen.
• Saturn im Schützen kommt 1 Stunde nach Jupiter empor und verschiebt seine Aufgänge von etwa 1 h auf 23 h MESZ.
• Uranus und Neptun sind jenseits der Sonne und daher unsichtbar.´
Mondphasen: Neumond 4.5., Erstes Viertel 12.5., Vollmond 18.5., Letztes Viertel 26./26.5.


Für Anfänger in der Astronomie
• Hermann Mucke: Himmelskunde im Freiluftplanetarium Wien. Um 10 € bei Führungen des Astrovereins oder Zusendung um 13,30 € (siehe Folder)
• Sven Melchert: Alles über Astronomie , um 10 € im Kosmos-Verlag 2017
• Sky & Telescope: Astronomy for Beginners bzw. die wichtigsten Grundbegriffe (engl.)
• und fürs Nachdenken 30 unglaubwürdige Fakten zum Weltall: https://www.youtube.com/watch?v=u2dTM45D83E
Empfehlenswert ist auch:
• Die Villa Fantastica (1130 Wien, Neue Weltg.12) -- Phantastisches, Science Fiction und auch Astronomie (Entlehnung gratis)
• Die Kosmologie des Frühen Universums -- Spektrum-Sonderseiten um 5 € zu folgenden Themen: Urknall (3 Artikel), universale Zukunftsformel, Galaxienhaufen im Modell, frühe Schwarze Löcher, Quasare und Antimaterie
• Astronomie-Geschichte: Hubble, Einstein, Lemaitre -- Wer entdeckte die Expansion des Universums wirklich?

Die Neuigkeiten aus der astronomischen Forschung und Raumfahrt

sowie die Konjunktionen und besten Beobachtungsobjekte des Mai
(siehe Österr. Himmelskalender 2019) folgen aus den erwähnten Zeitgründen erst in 1-2 Tagen.

Die Veranstaltungen des ÖAV finden Sie in unserer Homepage www.astroverein.at


Mit besten Grüßen,

Dr. Gottfried Gerstbach
1. Vorsitzender des ÖAV
Laadoc
 
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